Gastartikel: Ist Essen nur Nahrungsaufnahme?

Dez 10, 2018 | Baby & Kind | 0 Kommentare

Heute betrachtet die liebe Maria von Bedürfnisorientiertes Familienleben das Thema „Essen“ im Detail und fragt sich, ob noch mehr dahintersteckt als nur die reine Nahrungsaufnahme. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Essen ist in erster Linie ein Grundbedürfnis!

Denn es ist als Maßnahme zur Nährstoffaufnahme und zur Gesunderhaltung unseres Körpers unabdingbar und gibt unserem Körper Kraft und Geborgenheit für die seelische Entwicklung.

Auch ist es ein Ausdruck unseres Befindens. Wir fressen uns z.B. den Kummer an oder Hungern um, um Anerkennung zu betteln.

Um das Essen aber nicht nur mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung zu stellen, sind es die Eltern, die die wichtigsten Begleiter darstellen. Denn sie vermitteln nicht nur die Essensaufnahme, sondern auch das Erlebnis, welches mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung steht.

Gemeinsam die Mahlzeiten einzunehmen sollte ohne Zwang und Druck, wie z. B. Zeitdruck geschehen, sondern in liebevoller und entspannter Atmosphäre. Zusammen zu sitzen, sich über den Tag unterhalten, die Lebensmittel zu betrachten und zu überlegen, wie und wo sie angebaut werden, können die Themen am Tisch sein.

Aber fangen wir mal von vorne an:

Denn natürlich unterhältst du dich über solche Themen noch nicht mit deinem Baby.

Aber auch bei diesem siehst du durch die Kopf- und Mundbewegungen und hörst durch das Schreien das dein Baby Hunger hat.

Wenn es sich dann wegdreht, die Brustwarze ausspuckt oder einschläft, ist dein Baby satt.

Durch die Beachtung der Körpersprache stärkst du das natürliche Essverhalten deines Kindes.

Gerade direkt nach der Geburt kann es möglich sein, dass dein Baby alle 2 h kommt und stillen möchte. Dieses ist völlig normal, denn der Magen deines Kindes ist nach der Geburt so groß wie eine Kirsche, nach drei Tagen ungefähr so groß wie eine Walnuss, nach einer Woche so groß wie eine Aprikose und nach ca. einem Monat so groß wie Ei.

Davon abgesehen wird die Muttermilch auch viel schneller verdaut als Flaschennahrung.

Mein Sohn z. B. erblickte Mitte Juni 2015 im Landkreis Gießen in Hessen das Licht der Welt und stillte am dritten Wochenende alle 30 min, da es ein wahnsinnig heißes Wochenende war.

Dass heißt natürlich auch, dass ich während diesem Wochenende mehr trank, da das Stillen meinem Körper Energie entzogen hatte.

Was dein Baby für Anzeichen zeigt, wenn du ihm die Flasche gibst, kann ich nicht beurteilen, da ich ausschließlich gestillt habe.

Und dann kommt irgendwann der Moment, an dem dein Kind nicht nur Milch zu sich nehmen möchte.

Tja, das kann ich dir auch nicht sagen.

Denn dieses ist von Kind zu Kind verschieden.

Bei meinem Sohn war es so, dass er beim Essen in einer Babywippe auf dem Stuhl mit am Tisch saß / lag und er seine Augen nicht mehr von unserem Essen lassen konnte.

Wir haben dann für uns entschieden, dass wir ihm von unserem Essen ungefähr Pommes große Stücke hinlegen und ihn selbst entscheiden lassen, was er damit macht.

Doch wann ist dieser Moment?

Und nicht nur für ihn war es ein Erlebnis.

Brot, Garnele, Möhre und Rote Beete lagen vor ihm und wollten erkundet werden.
Es war ein unbeschreiblicher Moment als seine Hand zu den Lebensmitteln griff, sich das Stück Brot nahm und es zu seinem Mund führte.

Und umso mehr Worte er kannte, umso mehr haben wir uns auch bei der Essenszubereitung unterhalten, so dass er nach sehr kurzer Zeit wusste, welche Zutaten z.B. in den Pfannkuchenteig gehören und wo sich diese in der Küche befinden.

Haben welche gefehlt, sind wir zusammen einkaufen gegangen.

Je nach Alter deines Kindes kannst du dir eine Einkaufsliste malen oder schreiben lassen und je nach Wohnort und Größe des Ladens bzw. dem Charakter deines Kindes kannst du auch an der Kasse des Ladens warten und dein Kind alleine einkaufen lassen.

Dieses ist übrigens die Vorstufe zur Entwicklung einer Handlungsplanung: Welches Gericht möchte ich kochen? Welche Zutaten benötige ich? Welche fehlen? Welches Kochzubehör brauche ich? Wann müssen welche Zutaten in den Topf / in die Schüssel?

Die Zubereitung der Nahrung ist ein Erfolgserlebnis, steigert das Selbstbewusstsein und macht Spaß.

Ist das Essen dann fertig zubereitet, heißt es Tischdecken und:

Was hätte ich ihn diesem Moment (und viele weitere folgten) für seine Gedanken getan?

Er lutschte und lutschte und lutschte.

Auf der Möhre, dem Stück Rote Beete und der Garnele nagte er drauf rum.

Wirklich abbekommen hat er nichts.Außer dem Geschmack.

Ab diesem Zeitpunkt bekam er bei jeder Mahlzeit von unserem Essen die einzelnen Lebensmittel und durfte selber wählen, was er probiert und wie viel.

Die Lebensmittel haben wir kurz gekocht und absolut keine Gewürze benutzt.

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch gestillt habe, habe ich mir nie Gedanken zu der Menge gemacht, die er gegessen hat oder auch nicht.
Denn schließlich heißt es ja auch Beikost.

Und Milch stellt das Hauptnahrungsmittel im ersten Lebensjahr dar.

Auch haben wir unserem Sohn die Lebensmittel genau erkunden lassen: er durfte sie sich genau ansehen, daran riechen, sie ertasten, probieren – mit allen Sinnen erleben.

Das ein oder andere (beim Reis eher mehr als bei allen anderen Lebensmitteln) fiel dabei auch zu Boden, so dass dieser nach jeder Mahlzeit gesäubert werden musste.
(In dieser Zeit haben wir uns tatsächlich überlegt uns ein Hausschwein zuzulegen.)

Getrunken hat er, wenn überhaupt, zu den Mahlzeiten Wasser aus einem kleinen Schnapsglas.

Später dann aus einem Plastikbecher und aus einem Glas.
Vom Plastikbecher haben wir Abstand genommen als er diesen mehrfach umgeworfen, unsere Geduld mehr oder weniger am Ende war und wir einfach nicht verstanden haben, warum er ihn nicht festhalten kann.

Tipp: Versucht mal einen Plastikbecher aus der frisch gespülten Spülmaschine rauszunehmen, dann wisst ihr warum kleine Hände, die vorher Lebensmittel mit den Händen erkundet haben, den Plastikbecher nicht mit ihren Händen festhalten können.

Ach übrigens, bis jetzt ist noch kein Glas kaputt gegangen.

Ab diesem Zeitpunkt war dann auch klar, dass mal eben eine Kleinigkeit zwischendurch nicht mehr geht, denn unsere Mahlzeiten dauerten jetzt länger.

Aber eines nach dem Anderen.

Denn vor dem Essen kommt ja noch die Zubereitung und:

Das Einkaufen

Von Anfang kam unser Sohn mit zum Einkaufen.

Erst in der Babyschale und dem Kinderwagen, später dann selber im Einkaufswagen sitzend und mittlerweile mit 3,5 Jahren schiebt er selbst den Einkaufswagen.

Dieser kurze Zeitstrahl zeigt sehr deutlich die Entwicklung die unsere Kinder mit machen.
Denn, wenn ich heute noch daran denke, dass ich einfach in den Laden gehen und meine Einkaufsliste abarbeiten konnte, ist dieses heute nicht mehr möglich.

Heute ist der Einkauf mit sehr vielen Fragen und einem längeren Aufenthalt im Laden verbunden.

Ich erzähle ihm vor dem Loslaufen zum Laden genau auf, was wir noch brauchen und wofür wir genau diese Lebensmittel benötigen, so dass wir uns dann im Laden gegenseitig daran erinnern, was wir einkaufen wollten.

Spannend ist es übrigens, wenn ihr in die größeren Einkaufsläden (also keine Discounter) rein geht und euch mal auf Augenhöhe eures Kindes begebt.

Angefangen von dem viel zu grellen Licht, was euch direkt mal blendet, über die wahnsinnig große Auswahl bis hin zu den Gängen, die vor euch ein Labyrinth beginnen lassen könnten.

Und spätestens jetzt könnt ihr wahrscheinlich auch verstehen, warum Kinder anfangen laut zu sein und zu rennen, wenn sie in einen solchen Laden rein gehen und verstecken spielen wollen: er lädt förmlich dazu ein!
Wir lassen unseren Sohn mittlerweile ein paar Runden rennen, fangen in der Zeit mit dem Einkauf an und stoßen dann wieder aufeinander, so dass wir gemeinsam den Rest des Einkaufes erledigen.

Da, wo er an die Lebensmittel im Regal kommt, nimmt er sich diese und legt sie in den Wagen. Die anderen übernehme ich.
Meistens schaut er sich diese an und wir sprechen über diese, z.B. dass die Milch von den Kühen kommt.

Bei so gut wie jedem Einkauf darf es sich auch eine Kleinigkeit aussuchen.

Zuhause wieder angekommen geht es dann ans auspacken und einräumen der Lebensmittel.

Was vor ein paar Monaten noch in einem kleinen Chaos geendet ist, weil er die Tüte einfach auf dem Boden geleert hat (Vorsicht: Eier vorher rausnehmen!), weiß er mittlerweile genau wo die Lebensmittel ihren Platz haben und stellt sie da hin.

Ist der Einkauf weggeräumt, geht es an die:

Zubereitung des Essens

Selbst die Kleinsten haben schon Spaß beim Helfen

-Erkunden vom Besteck und Kochgeschirr
-Lebensmittel unter Töpfen verstecken
-An den Gewürzen riechen lassen
-Erkunden der Lebensmittel
-Umrühren
-Zutaten in den Topf geben

Beim Kochen selbst habe ich meinem Sohn erzählt, wie das Lebensmittel und das Besteck heißen und was ich da jetzt gerade mache, z.B. die Möhre schälen.
Dieses wollte er dann auch machen und so habe ich ihn mit eingebunden und ihm kleine Aufgaben übergeben:

-Mehl aus dem Schrank holen
-Das Salz hinzugeben
-Den Teig umrühren / kneten
-Den Käse reiben
-Zitronen auspressen

Und umso mehr Worte er kannte, umso mehr haben wir uns auch bei der Essenszubereitung unterhalten, so dass er nach sehr kurzer Zeit wusste, welche Zutaten z.B. in den Pfannkuchenteig gehören und wo sich diese in der Küche befinden.

Haben welche gefehlt, sind wir zusammen einkaufen gegangen.

Je nach Alter deines Kindes kannst du dir eine Einkaufsliste malen oder schreiben lassen und je nach Wohnort und Größe des Ladens bzw. dem Charakter deines Kindes kannst du auch an der Kasse des Ladens warten und dein Kind alleine einkaufen lassen.

Dieses ist übrigens die Vorstufe zur Entwicklung einer Handlungsplanung: Welches Gericht möchte ich kochen? Welche Zutaten benötige ich? Welche fehlen? Welches Kochzubehör brauche ich? Wann müssen welche Zutaten in den Topf / in die Schüssel?

Die Zubereitung der Nahrung ist ein Erfolgserlebnis, steigert das Selbstbewusstsein und macht Spaß.

Ist das Essen dann fertig zubereitet, heißt es Tischdecken und:

Gemeinsam essen

Was bedeutet für dich essen?

Packung aufreißen, in den Topf geben und erwärmen?

Für mich ist es Teil unserer Kultur!

Lebensmittel sind für mich eine Faszination, ein Wohlbefinden, Sicherheit und leider in gewisser Hinsicht auch ein Luxusgut.

Denn gute Lebensmittel haben ihren Preis.

Und wenn man, so wie wir auf unsere Lebensmittel achtet, dann kommt man häufig mit Bauern auf dem Wochenmarkt ins Gespräch und kann sich dort mit ihnen über den Anbau, das Wachsen und die Zubereitung der einzelnen Lebensmittel unterhalten.

Für das Kind brauchst du übrigens an diesem Tag nichts einkaufen, denn, zumindest ist es bei unserem Wochenmarkt so, dass unser Kind an jedem Stand (an dem du einkaufen gehst) eine Kleinigkeit bekommt.

Ach, wie gerne wäre ich da noch mal Kind!

-Die Gesprächsinhalte vom Markt,
-die Erlebnisse des Einkaufes und des Tages,
-was jedes Familienmitglied erlebt hat,
-was ihr gemeinsam unternehmen wollt,
-wer was im Haushalt übernimmt,
-wie es euch geht

sind Themen über die ihr beim Essen sprechen könnt.

Somit habt ihr einen gemeinsamen Gedanken – und Erlebnisaustausch.

Dieses kannst du auch in einer spielerischen Übung, wie sie in diesem Artikel beschrieben ist, üben.

Über Erlebtes oder die einzelnen Lebensmittel zu sprechen erleichtert es manchen Kindern auch mit dem Essen zu beginnen.

Denn Kinder haben ihr eigenes Tempo.
Manche fangen später an, weil sie die anderen Familienmitglieder am Tisch erst beobachten, wiederum andere essen so schnell, weil sie sich bewegen und spielen wollen.

Und sind wir doch mal ehrlich: was für ein Gefühl war es für uns als Kinder, wenn wir erst vom Tisch aufstehen durften, wenn alle anderen mit dem essen fertig waren?

Wir können als Erwachsene das Positive aus der Situation ziehen, unsere Kinder spielen lassen und die Zeit zu zweit und das Essen in Ruhe genießen!

Was nicht heißen soll, dass Essen mit Kindern nur Stress ist, aber wer kleine Kinder hat, weiß dass eine komplette Mahlzeit in Wut, Trauer und Verzweiflung ende kann, wenn man als Elternteil die Scheibe Brot statt von rechts nach links zuerst von oben nach unten durchschneidet.

Wie du dein Kind in solchen Situationen begleiten kannst, habe ich in einem älteren Artikel beschrieben, denn du hier lesen kannst 
Und wenn dein Kind noch in seinem eigenen Tempo essen kann, lernt es auch von selbst, wann es satt ist und welche Lebensmittel ihm schmecken und welche eben nicht.

Den leeren Teller als Anreiz oder Belohnung für ein bestimmtes Verhalten zu setzen, dein Kind zum Probieren zu nötigen oder mit Entzug von bestimmten Lebensmitteln zu bestrafen ist in meinen Augen ein absolutes No – Go!

Wie sieht es eigentlich bei euch während des Essens aus?

Darf euer Kind Spielzeug mit an den Tisch nehmen?

„Denn, wer seinem Kind das Spielzeug am Tisch verbietet, sollte auch keine Zeitung, geschweige denn das Handy in der Hand halten!“

Gastautorin:

Ich heiße Maria Klitz, bin 31 Jahre jung und wohne mit meinem Mann und unserem 3- jährigen Sohn auf einem kleinen Dorf im Landkreis Gießen in Hessen.

Mein Mann hat aus erster Ehe einen 25- jährigen Sohn, der bei seiner Mutter, 73 km von uns entfernt, wohnt.

Von 2006 – 2008 absolvierte ich eine Ausbildung als staatlich anerkannte Sozialassistentin. Darauf aufbauend folgte von 2008 – 2011 die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Als diese arbeitete ich in Frankfurt am Main in einem Familienzentrum mit 105 Kindern im Alter von 3 – 10 Jahren.
Ich liebte meinen Job dort, da es nicht nur ein Job, sondern meine Leidenschaft war.
Ich konnte nicht nur im täglichen Umgang mit den Kindern und Kollegen mein pädagogisches Wissen anwenden, sondern auch in der Kommunikation mit den Eltern.

Doch all dieses hinterfragte ich als ich im September 2014 selbst schwanger wurde und im Juni 2015 meinen Sohn zur Welt brachte.

Von jetzt auf gleich handelte ich nur noch nach meinem Bauchgefühl und nach meinem Mutterinstinkt.
Für mich war klar, dass ich das auch an andere Eltern weitergeben möchte und so war der Grundstein meiner Selbstständigkeit gelebt: Ich möchte Eltern stärken, in ihre Fähigkeiten zu vertrauen, um mit ihren Kindern auf Augenhöhe kommunizieren zu können sowie Workshops zum Thema „achtsame Kommunikation“ und „Wie du dein Kind in wutauslösenden Situationen begleiten kannst“ geben.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Folge mir

Beliebte Artikel

.

  • Die Optimale Wachzeit - So Lange Sollte Dein Baby Zwischen Zwei Schlafperioden Wach Sein
  • 10 Gründe Warum Dein Baby Tagsüber Nur Kurz Schläft
  • Frühes Aufwachen - Was Du Dagegen Tun Kannst